
Während die Chambers einen physischen Raum simulieren, widmet sich das Waves Abbey Road Plates Plugin einer völlig anderen Ära der Hall-Technologie: den massiven EMT 140 Hallplatten.
In den Abbey Road Studios wurden diese 1,2 x 2,4 Meter großen, tonnenschweren Stahlplatten genutzt, um einen dichten, seidigen Hall zu erzeugen, der den Sound von Künstlern wie den Beatles und Pink Floyd maßgeblich geprägt hat.
1. Die vier emulierten Platten
Waves hat für dieses Plugin vier spezifische Platten aus den Abbey Road Archiven modelliert, die jeweils ihren eigenen Klangcharakter haben:
- Plate A: Die klassische Platte mit einem sehr hellen, präsenten Klang.
- Plate B: Etwas dunkler und runder, oft bevorzugt für einen dezenteren Effekt.
- Plate C: Ein sehr natürlicher, ausgewogener Sound.
- Plate D: Die "speziellste" Platte mit einem fast metallischen, sehr dichten Ausklang.
2. Die Signalkette: Röhre vs. Transistor
Ein entscheidender Faktor bei Hallplatten ist der Verstärker, der die Platte in Schwingung versetzt. Das Plugin lässt dir die Wahl:
- Tube (Röhre): Emuliert den ursprünglichen "Hybrid"-Antrieb, der sehr warm und harmonisch gesättigt klingt.
- Solid State (Transistor): Emuliert die später verwendeten Verstärker, die sauberer klingen und mehr Transienten erhalten.
3. Key Features & Kontrollmöglichkeiten
- Damping: Wie bei der echten Hardware kann man ein Dämpfungssystem steuern, das die Schwingung der Platte bremst und so die Nachhallzeit (Decay) bestimmt.
- Pre-Delay: Ein essentielles Werkzeug, um das trockene Signal vom Hall abzuheben (besonders wichtig bei Vocals).
- Drive: Erlaubt es, die Eingangsverstärker heißer anzufahren, um die typische analoge Verzerrung zu erzeugen.
- Crosstalk: Simuliert das Übersprechen zwischen den Kanälen, was dem Hall eine natürlichere Stereobreite verleiht.
4. Der typische "Plates"-Klang
Im Vergleich zu einem Raumhall (Chamber) oder einer Feder (Spring) zeichnen sich die Abbey Road Plates durch folgende Punkte aus:
- Hohe Dichte: Der Hall setzt sofort sehr dicht ein, ohne die "vielen kleinen Echos", die man in einem Raum hört.
- Seidige Höhen: Berühmt für die Art und Weise, wie sie S-Laute und Becken umschmeicheln, ohne scharf zu klingen.
- Tiefe ohne Matsch: Sie verleihen einem Instrument Größe, ohne das Stereobild mit zu viel diffusem "Raum-Müll" zu füllen.
Vergleich: Chambers vs. Plates
| Feature | Abbey Road Chambers | Abbey Road Plates |
| Typ | Akustischer Raum (Keller/Fliesen) | Mechanische Schwingung (Stahlplatte) |
| Charakter | Realistisch, organisch, etwas "boxy" | Künstlich, dicht, seidig, elegant |
| Bester Einsatz | Drums, Percussion, Vintage-Vibe | Lead Vocals, Snare, Piano |
| Modellierung | Lautsprecher, Mikros, Raumgeometrie | Materialspannung, Dämpfung, Tonabnehmer |
Kurztipp: Wenn du willst, dass deine Vocals "teuer" und glänzend klingen, ohne dass sie nach "Badezimmer" klingen, sind die Plates fast immer die erste Wahl.
Firma: Waves

