
Der Ampeg B-15N Portaflex gilt als der „Heilige Gral“ unter den Bassverstärkern, insbesondere für Studioaufnahmen. Er wurde 1960 von Jess Oliver eingeführt und ist berühmt für sein „Flip-Top“-Design, bei dem der Verstärker (Topteil) für den Transport kopfüber im Lautsprechergehäuse verstaut werden kann.
Das Klangprofil
Der B-15N ist definiert durch einen warmen, runden und „cremigen“ Bass-Sound. Er ist kein Kraftpaket mit viel Headroom wie der spätere SVT, sondern liefert einen satten Grundton, der sich im Mix perfekt einfügt.
- Der Sweet Spot: Liegt meistens bei einer Lautstärke zwischen 4 und 5 (Reglerstellung).
- Natürliche Kompression: Aufgrund der geringen Leistung (ca. 25–30 Watt) bietet er eine organische Röhrenkompression, die den Bass-Sound sehr gleichmäßig und „fertig“ klingen lässt.
- Vielseitigkeit: Berühmt für den „Motown-Thump“, kann er bei höherer Sättigung (ab ca. 11 Uhr) auch einen wunderbar knurrigen, leicht übersteuerten Ton liefern.
Wichtige historische Versionen
Obwohl das „N“ für „New“ stand, entwickelte sich die Schaltung über die Jahre weiter:
- Frühe 60er (Blue Check Tolex): Bekannt für das „Double Baffle“-Gehäuse (doppelte Schallwand), das einen sehr resonanten, klassischen Vintage-Sound liefert. Bestückt mit 6L6-Endstufenröhren.
- Späte 60er (Black Tolex): Wechsel zum Thiele-Aligned-Gehäuse (mit Bassreflex-Öffnungen). Diese Version wird oft bevorzugt, da sie eine straffere und präzisere Basswiedergabe bietet.
- 1970er Jahre: Diese Modelle erkennt man am Aluminium-Chassis und den zusätzlichen „Ultra High“- und „Ultra Low“-Wippschaltern für mehr Klangflexibilität.
Legendäre Aufnahmen
Wer den klassischen B-15N Sound hören möchte, sollte sich diese Künstler anhören:
- James Jamerson: Der Sound von Motown.
- Donald „Duck“ Dunn: Die Bass-Legende von Stax Records.
- Jerry Jemmott: Zu hören auf B.B. Kings „The Thrill Is Gone“.
- Tom Hamilton: Nutzte ihn für Aerosmiths „Walk This Way“.
Marktwert und Kauf (Stand 2026)
Da der B-15N ein unverzichtbares Werkzeug für viele Profi-Studios ist, bleiben die Preise stabil auf hohem Niveau:
- Vintage-Modelle (60er Jahre): Je nach Zustand und Originalität (besonders bei Original-JBL-Speakern) liegen diese zwischen 2.500 € und 4.500 €.
- 70er Jahre Modelle: Etwas günstiger, oft zwischen 1.500 € und 2.200 € zu finden.
- Heritage Reissue: Ampegs moderne Neuauflage ist handverdrahtet und gilt als klanglich extrem nah am Original, bei deutlich höherer Zuverlässigkeit.
Tipp für Käufer: Bei Vintage-Geräten sollte man prüfen, ob die Elektrolytkondensatoren („Recap“) bereits getauscht wurden. Ein typisches Problem ist das „Chassis-Rasseln“ – meist helfen hier neue Gummidichtungen oder Schwingungsdämpfer an der Halterung.
Firma: Ampeg

