
Der Roland SH-101, veröffentlicht im Jahr 1982, ist einer der kultigsten monophonen Synthesizer, die jemals gebaut wurden. Während er ursprünglich als Einsteiger-Instrument für die Keytar-Ära (mit dem optionalen Griff inkl. Modulationsrad) gedacht war, entwickelte er sich schnell zur Geheimwaffe der elektronischen Tanzmusik.
Er ist das Herzstück unzähliger Techno-, Acid- und Drum-and-Bass-Produktionen und wird für seine Einfachheit und seinen unmittelbaren "Sweet Spot" geliebt.
1. Das Konzept: Ein Oszillator, maximale Wirkung
Der SH-101 folgt einem sehr gradlinigen Design. Trotz seiner scheinbar simplen Struktur liefert er einen Sound, der im Mix extrem präsent ist:
- Der Oszillator (VCO): Er nutzt den berühmten CEM3340-Chip. Du kannst Sägezahn, Rechteck (mit Pulsweitenmodulation) und einen Sub-Oszillator gleichzeitig mischen.
- Der Sub-Oszillator: Dies ist das wahre Kraftwerk des 101. Er bietet verschiedene Oktav-Einstellungen und sorgt für die legendären, stabilen Bässe, die selbst bei hoher Filter-Resonanz nicht einbrechen.
- Das Filter (VCF): Das IR3109-Filter (wie im Jupiter-8 und Juno-60) klingt hier besonders "knackig". Es kann bei hoher Resonanz zur Selbstoszillation gebracht werden und dient dann als zweite Sinus-Klangquelle.
2. Der legendäre Sequenzer & Arpeggiator
Einer der Hauptgründe für den Erfolg des SH-101 in der Techno-Szene ist der interne 100-Step-Sequenzer:
- Er ist extrem einfach zu programmieren: Noten eingeben, Pausen oder Slides setzen – fertig.
- Da der Sequenzer über einen externen Clock-Input (z. B. von einer TR-808 oder TR-909) getriggert werden kann, entstehen diese typischen, stolpernden Rhythmen, die den Sound von Labels wie Warp Records oder Künstlern wie Aphex Twin prägten.
3. Portabilität & Design
Der SH-101 war aus Kunststoff gefertigt, was ihn leicht und erschwinglich machte. Er war in drei Farben erhältlich: dem klassischen Grau, einem seltenen Blau und dem sehr begehrten Rot. Mit dem aufschraubbaren "Handgrip" konnte man ihn sich umhängen und die Pitch-Bends wie ein Gitarrist steuern.
Technische Übersicht
| Feature | Details |
| Synthese-Typ | Analog subtraktiv (VCO) |
| Stimmführung | Monophon |
| Filter | 24dB Low Pass (Resonanzfähig) |
| LFO | Von extrem langsam bis in den Audiobereich (für FM-ähnliche Sounds) |
| Besonderheit | Kann mit Batterien betrieben werden |
Warum ist er heute noch ein Standard?
- Die Hüllkurve: Die ADSR-Hüllkurve des SH-101 gilt als eine der schnellsten ("snappiest") in der Analog-Welt. Das macht ihn zur ersten Wahl für perkussive Bass-Sounds und "Blippy"-Sequenzen.
- Kein Menü-Diving: Jede Funktion hat einen eigenen Schieberegler. Was du siehst, ist das, was du hörst.
- Klangliche Durchsetzungskraft: Der 101-Sound hat eine ganz eigene "Nase" – er ist mittig, druckvoll und schneidet durch jeden dichten Mix.
Moderne Versionen:
Heute gibt es den Sound als Boutique SH-01A (der vierstimmig polyphon spielbar ist), als Roland Cloud Plugin oder als sehr populären analogen Klon (Behringer MS-1).
Firma: Roland Music

