
Die Roland CompuRhythm CR-78, die 1978 auf den Markt kam, war ein Meilenstein: Sie war die erste Drum-Machine der Welt, die einen Mikroprozessor zur Steuerung nutzte. Damit markierte sie den Übergang von den starren Rhythmusgeräten für Heimorgeln hin zu programmierbaren Instrumenten für professionelle Musiker.
Sie ist berühmt für ihren warmen, "holzigen" Analog-Charakter und ihr ikonisches Design mit den bunten Tasten.
1. Das klangliche Profil: Analog-Nostalgie
Die CR-78 erzeugt ihre Sounds rein analog. Im Vergleich zur späteren TR-808 klingt sie feiner, fast schon zerbrechlich und sehr organisch:
- Die Sounds: Sie bietet 14 Instrumente, darunter Kick, Snare, Hi-Hat, Bongo, Conga und den legendären "Metallic"-Sound.
- Der Vibe: Die Klänge haben eine ganz eigene Textur – die Snare ist weich, die Hi-Hats sind seidig und die Percussions (wie die Tambourine) verleihen Tracks eine fast schon mystische Atmosphäre.
2. Die Geburtsstunde des "CompuRhythm"
Der Name war Programm: Dank des Mikroprozessors war die CR-78 nicht mehr nur auf die werkseitigen Presets (wie Waltz, Bossa Nova oder Rock) beschränkt.
- Programmierung: Mit dem optionalen (und heute extrem seltenen) Programmer WS-1 konnten Musiker eigene Rhythmen Schritt für Schritt eingeben. Ohne diesen war die Programmierung am Gerät selbst eine echte Herausforderung.
- Variation & Fill: Sie führte Funktionen wie automatische Fills und Variationen ein, was sie für Solo-Künstler extrem attraktiv machte.
3. Pop-Geschichte: Der "In the Air Tonight"-Faktor
Die CR-78 prägte den Sound der frühen 80er Jahre wie kaum ein anderes Gerät:
- Phil Collins: Der wohl berühmteste Einsatz ist der hypnotische Rhythmus am Anfang von "In the Air Tonight".
- Blondie: Der Hit "Heart of Glass" basiert auf dem unverkennbaren Pattern der CR-78.
- Hall & Oates: "I Can't Go for That (No Can Do)" nutzt den Minimalismus der Maschine perfekt aus.
Technische Übersicht
| Feature | Details |
| Synthese | Rein analog |
| Release-Jahr | 1978 |
| Speicher | 34 Presets (Rock, Disco, Shuffle etc.) + 4 User-Pattern |
| Besonderheit | Erste Drum-Machine mit digitalem Speicher für Rhythmen |
| Status | Gefragtes Sammlerstück; oft modifiziert für Einzelausgänge oder MIDI |
Warum ist sie heute noch relevant?
In einer Welt voller druckvoller 808- und 909-Samples bietet die CR-78 eine Alternative mit Charakter. Sie füllt den Mix nicht mit purer Gewalt, sondern mit Textur und Charme. Produzenten nutzen sie heute oft als "Layer", um modernen Beats eine analoge Seele zu verleihen.
Moderne Versionen:
In der Roland Cloud gibt es eine hervorragende Emulation, die den Workflow modernisiert. Auch in der TR-8S sind die CR-78 Sounds als erstklassige Nachbildungen enthalten.
Firma: Roland Music

