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Vienna Symphonic Library - Harpsichord

Vienna Symphonic Library Harpsichord

 

Das Harpsichord (Cembalo) der Vienna Symphonic Library ist ein Paradebeispiel für die chirurgische Präzision, mit der VSL historische Tasteninstrumente digitalisiert. Im Gegensatz zum Klavier werden beim Cembalo die Saiten nicht mit Hämmern angeschlagen, sondern mit Kielen gezupft. Das Ergebnis ist ein obertonreicher, perkussiver Klang, der keine Anschlagsdynamik im modernen Sinne kennt – eine technische Hürde, die VSL meisterhaft gelöst hat.

Es gibt bei VSL zwei wesentliche Ausführungen dieses Instruments: Die klassische VI-Variante (Silent Stage) und die modernisierte Synchron-Variante.

1. Das Instrument: Ein zweimanualiges Meisterstück

VSL hat ein großes, zweimanualiges Cembalo gesampelt, was für die klangliche Flexibilität entscheidend ist:

  • Register-Vielfalt: Wie bei einer Orgel können beim Cembalo verschiedene Register (8', 4' und der sogenannte Lautenzug) kombiniert werden. VSL bietet diese Register sowohl einzeln als auch in Kombinationen an.
  • Der Lautenzug: Dieses spezielle Register dämpft die Saiten leicht ab und erzeugt einen kurzen, hölzernen Klang, der an eine Laute erinnert – perfekt für intime barocke Begleitungen.

2. Akustik: Silent Stage vs. Synchronized

  • Silent Stage (VI Series): Die ursprüngliche Aufnahme ist extrem trocken. Das ist beim Cembalo ein enormer Vorteil, da man die mechanischen Details (das Klicken der Kiele und das Fallen der Springer) sehr deutlich hört. Man kann dieses Instrument mit Plugins wie MIR Pro in eine kleine Kammer oder eine große Kathedrale setzen.
  • Synchronized Version: Hier wurde das Instrument für den modernen Synchron Player aufbereitet. Es enthält bereits die Impulsantworten der Synchron Stage Vienna, sodass es sofort den richtigen Raumklang hat und perfekt mit den anderen Synchron-Libraries (wie den Synchron Strings) harmoniert.

3. Technische Besonderheiten

  • Release-Samples: Ein Cembalo lebt von dem Geräusch, das entsteht, wenn die Taste losgelassen wird und der Dämpfer auf die Saite fällt. VSL hat diese "Release-Geräusche" in extremer Detailtiefe eingefangen, was den künstlichen Klangcharakter vieler billigerer Libraries vermeidet.
  • Wiederholungs-Samples: Da das Cembalo oft für schnelle, perlende Läufe und Verzierungen (Triller, Mordanten) genutzt wird, verhindern die speziellen Repetition-Samples den "Maschinengewehr-Effekt".

4. Einsatzgebiete

  • Barock & Renaissance: Unverzichtbar für das Basso-Continuo-Spiel in Werken von Bach, Händel oder Vivaldi.
  • Filmmusik: Das Cembalo wird heute oft in Horror-Scores oder in "Period Dramas" (wie The Favourite oder Marie Antoinette) eingesetzt, um eine aristokratische oder leicht unheimliche Atmosphäre zu schaffen.
  • Pop & Rock: Von den Beatles bis hin zu modernem Indie-Pop wird der drahtige Sound des Cembalos gerne als markante Textur genutzt.

5. Übersicht der Varianten

Merkmal VI Harpsichord Synchronized Harpsichord
Player Vienna Instruments Synchron Player
Raumklang Trocken (Silent Stage) Integrierter Faltungshall (Stage A/B)
Workflow Maximale Kontrolle über Hall Schnelle Integration in moderne Mixe
Mechanik Sehr detailliert einstellbar Fokus auf sofortige Spielbarkeit


Fazit:
Das VSL Harpsichord ist eines der authentischsten auf dem Markt. Es vermeidet den typischen Fehler, wie ein "kaputtes Klavier" zu klingen, und fängt stattdessen die feine, silbrige Eleganz eines echten historischen Zupfinstruments ein.

Harpsichord’s sound is consistently sumptuous: rich, full and effortlessly playable. […] libraries like ‘Elements’ and ‘Special Keyboards’ bridge the gap between genuine innovation and textures recorded from real instruments, with all the richness that live instruments-capture can provide. Vienna’s Orchestral Library will always be its signature product, yet these supporting libraries, celebrating the weird and wonderful instruments further towards the periphery of concert music have even greater appeal.
John Buchanan, Future Music, December 2007

Special Keyboards also features a harpsichord (here given its Italian/German name ‘Cembalo’). Only three stops are provided one on them couples a high octave to the fundamental pitch, making that bright, crashing metallic racket I associate with Iconic 1960’s TV themes. [...] All good fodder for the creative composer’s sound palette [...]
Dave Stewart, Sound on Sound, October 2007

Firma: Vienna Symphonic Library


Vienna Symphonic Library - Harpsichord