
Xils-Lab PolyM ist die hochgelobte Emulation eines der außergewöhnlichsten Synthesizer der Geschichte: des Polymoog (Modell 203a). Während der PolyKB auf einen extrem seltenen analogen Boliden setzt, reproduziert der PolyM die "Divide-Down"-Technologie, die Ende der 70er Jahre für echtes polyphones Spiel sorgte.
Bekannt wurde der Sound vor allem durch Gary Numan (insbesondere der "Vox Humana"-Patch in Cars) und Künstler wie Rick Wakeman oder Kraftwerk.
1. Die Architektur: "Divide-Down" Synthese
Im Gegensatz zu modernen polyphonen Synths, die pro Stimme komplette Oszillatoren nutzen, verwendet der PolyM zwei zentrale "Top Octave Divider"-Oszillatoren.
- Volle Polyphonie: Du kannst theoretisch alle 71 Tasten gleichzeitig spielen, ohne dass Noten abgeschnitten werden.
- 71 emulierte Chips: Xils-Lab hat jeden der 71 Komponenten-Chips des Originals einzeln modelliert (inklusive Mixer, VCA und Hüllkurve pro Note), um das lebendige, leicht instabile Verhalten der Hardware einzufangen.
2. Die Filter-Sektionen (Das Herz des Klangs)
Der PolyM verfügt über drei unterschiedliche Filter-Ebenen, die den charakteristischen Sound prägen:
- 24dB Ladder Filter: Ein klassisches, griffiges Moog-Style-Filter mit dem berühmten "Zero-Delay"-Algorithmus von Xils-Lab.
- Resonator Bank: Drei parametrische Filter (Low, High, Bandpass), die dem Klang eine fast vokale oder akustische Resonanz verleihen.
- Acoustic Filter Bank: 9 vordefinierte Filter-Presets (Strings, Piano, Organ etc.), die den Grundcharakter des Instruments auf Knopfdruck ändern – genau wie beim Original.
3. Moderne Erweiterungen
Xils-Lab wäre nicht Xils-Lab, wenn sie das Original nicht sinnvoll erweitert hätten:
- Erweiterte Modulation: 9 Modulations-Slots erlauben es, fast jeden Parameter mit LFOs oder Hüllkurven zu steuern – weit mehr als die Hardware jemals konnte.
- Effekt-Sektion: Integrierte Vintage-Effekte wie Chorus, Phaser, Delay und Reverb veredeln den Sound direkt im Plugin.
- Advanced Arpeggiator: Ein polyphoner Arpeggiator, der rhythmisch komplexe Muster ermöglicht.
Vor- und Nachteile im Überblick
| Vorteil | Nachteil |
| Authentischer "Vox Humana" Sound: Unverzichtbar für Gary-Numan-Fans und 80er-Jahre-Nostalgiker. | Oszillator-Vielfalt: Da er auf der Divide-Down-Technik basiert, ist er weniger flexibel für komplexe Wellenform-Schraubereien. |
| Einzigartiger Charakter: Klingt völlig anders als ein Juno oder Jupiter; sehr breit und "verschwommen" im positiven Sinne. | GUI: Die Oberfläche ist originalgetreu, kann aber auf sehr kleinen oder sehr hochauflösenden Bildschirmen etwas fummelig wirken. |
| Low CPU: Trotz der 71 emulierten Chips ist das Plugin sehr gut optimiert. |
Fazit: Warum der PolyM?
Der PolyM ist eine Zeitmaschine in die späten 70er Jahre. Er ist ideal für:
- Retro-Fans: Die den exakten Sound von ikonischen Synth-Pop-Hymnen suchen.
- Pad-Liebhaber: Die "Divide-Down"-Struktur erzeugt Flächen, die eine ganz eigene Wärme und Tiefe besitzen, die herkömmliche Synths oft vermissen lassen.
- Sounddesigner: Die mit der Resonator-Bank Klänge erschaffen wollen, die zwischen akustisch und synthetisch schweben.
Es ist ein Charakter-Instrument, das nicht versucht, alles zu können, aber das, was es tut, mit einer beeindruckenden klanglichen Tiefe erledigt.
Firma: Xils-Lab

