
Der Vienna Whistler ist eine der charmantesten und gleichzeitig speziellsten Libraries im Katalog der Vienna Symphonic Library. Es handelt sich um die virtuelle Nachbildung eines professionellen Kunstpfeifers, aufgenommen mit der für VSL typischen Präzision in der Silent Stage.
Obwohl das Pfeifen oft als trivial angesehen wird, ist es als virtuelles Instrument extrem schwer umzusetzen, da die menschliche Stimme hier eine sehr feine Dynamik und eine ganz spezifische Legato-Charakteristik aufweist.
1. Der Interpret: Marcus Schmidinger
Hinter den Samples steckt der Wiener Musiker Marcus Schmidinger. Er ist nicht nur ein exzellenter Hornist, sondern eben auch ein begnadeter Kunstpfeifer. Seine Kontrolle über Intonation und Luftstrom sorgt dafür, dass die Library auch in hohen Lagen sauber und musikalisch klingt.
2. Klangcharakter und Umfang
- Tonumfang: Der Whistler deckt etwa zwei Oktaven ab (von c1 bis c3).
- Klang: Der Sound ist rein, fokussiert und sehr „wienerisch“ – er erinnert sofort an klassische Gaunerkomödien, Spaghetti-Western oder melancholische Chansons.
- Vibrato: VSL bietet verschiedene Stufen von Vibrato an (von „senza vibrato“ bis hin zu einem ausdrucksstarken, weiten Vibrato), die oft via Modulationsrad für eine lebendige Performance gesteuert werden können.
3. Artikulationen
Trotz der Nischennatur des Instruments hat VSL das volle Paket an Spielweisen gesampelt:
- Performance Legato: Das Herzstück der Library. Es ermöglicht fließende, echte Übergänge zwischen den Tönen, die für den menschlichen Charakter des Pfeifens unerlässlich sind.
- Staccato & Portato: Kurze und leicht abgesetzte Noten für rhythmische oder verspielte Melodien.
- Falls & Sforzato: Akzentuierte Noten und abfallende Töne, die oft in der Popmusik oder für komödiantische Effekte genutzt werden.
- Triller: Für virtuose, vogelähnliche Passagen.
4. Akustik und Integration
Der Whistler wurde in der Silent Stage (trocken) aufgenommen. Das ist hier besonders wichtig:
- Flexibilität: Da Pfeifen ein sehr intimes Instrument ist, möchte man oft selbst entscheiden, ob es nach „einsamem Cowboy in der Prärie“ (viel Hall) oder nach „Spaziergänger im Park“ (wenig Hall) klingen soll.
- Synchronized Version: Es gibt auch eine überarbeitete Version für den Synchron Player. Diese nutzt den integrierten Faltungshall der Synchron Stage Vienna, um den Whistler sofort perfekt in einen Orchesterraum zu integrieren.
5. Einsatzgebiete
- Filmmusik: Ideal für Western-Zitate (Ennio Morricone Style), skurrile Charakter-Themen oder französisch angehauchte Soundtracks.
- Pop & Werbung: Ein gepfiffenes Thema ist ein klassischer Ohrwurm-Garant in Werbespots oder Indie-Pop-Songs.
- Sound Design: Durch Layering mit Flöten oder Sinuswellen lassen sich sehr interessante, ätherische Texturen erzeugen.
Fazit: Der VSL Whistler ist weit mehr als ein Gimmick. Es ist ein ernstzunehmendes Soloinstrument, das durch sein echtes Legato und die natürliche Atembewegung eine emotionale Unmittelbarkeit erreicht, die man mit einem Synthesizer niemals imitieren könnte.
“The Vienna samplists treat their male whistle-blower as seriously as any solo instrument in their catalogue, providing a large menu of articulations performed with vibrato (a vital component of the irritating ‘tradesman’s whistle’) and without. Standouts include some lewdly insinuating up-and-down bends, true-legato portamento slides and fluting, owl- like falls.”
Dave Stewart, Sound on Sound, August, 2016
http://www.soundonsound.com/reviews/vienna-symphonic-library
Firma: Vienna Symphonic Library

