
Das Heckelphone der Vienna Symphonic Library ist eine Hommage an eines der seltensten und charaktervollsten Holzblasinstrumente des Orchesters. Um 1904 von Wilhelm Heckel entwickelt, schließt es die Lücke zwischen der Oboe (bzw. dem Englischhorn) und dem Fagott.
VSL hat dieses außergewöhnliche Instrument mit der für sie typischen Akribie in der Silent Stage aufgenommen, um sowohl seine melancholische Tiefe als auch seine enorme Durchsetzungskraft einzufangen.
1. Der Klangcharakter: Dunkel, Markant, Edel
Das Heckelphone klingt eine Oktave tiefer als die Oboe und wird oft als „Bass-Oboe mit mehr Volumen“ beschrieben.
- Das tiefe Register: Hier liegt die wahre Stärke des Instruments. Der Klang ist extrem sonor, fast schon rauchig und wesentlich kraftvoller als der eines Englischhorns.
- Die Höhe: In den oberen Lagen behält es die typische nasale Charakteristik der Doppelrohrblattinstrumente bei, wirkt aber stets fülliger und „breiter“ als eine Standard-Oboe.
2. Einsatzgebiete
Da es weltweit nur wenige hundert Exemplare gibt, ist das Heckelphone ein seltener Gast im Konzertsaal, aber in der Library-Welt ein unschätzbares Werkzeug:
- Spätromantik: Unverzichtbar für Werke von Richard Strauss (Salome, Elektra, Eine Alpensinfonie) oder Paul Hindemith. Wer diese Partituren authentisch umsetzen will, benötigt dieses spezifische Timbre.
- Modernes Scoring: Komponisten nutzen das Heckelphone heute gerne für düstere, mysteriöse oder exotische Texturen. Es ist die perfekte Wahl, wenn ein Englischhorn zu „lieblich“ und ein Fagott zu „trocken“ klingt.
- Horror & Thriller: Durch seine leicht raue Textur in der Tiefe kann es eine sehr beunruhigende, drückende Stimmung erzeugen.
3. Artikulationen & Spielbarkeit
Trotz der Seltenheit des Instruments bietet VSL das volle Spektrum an Artikulationen an:
- Performance Legato: Das Markenzeichen von VSL. Es ermöglicht absolut realistische, fließende Melodielinien, bei denen die typischen physikalischen Bindungen des Instruments hörbar sind.
- Dynamik-Vielfalt: Sforzatos, Crescendos und Diminuendos in verschiedenen Längen erlauben eine sehr expressive Phrasierung.
- Vibrato-Kontrolle: Du kannst zwischen verschiedenen Vibrato-Stärken wählen, um den Ausdruck von sachlich-modern bis hin zu spätromantisch-schwelgend anzupassen.
4. Integration (VI Series & Synchronized)
- VI Series: Die ursprüngliche, trockene Aufnahme bietet maximale Freiheit beim Sounddesign. Mit MIR Pro lässt sich das Heckelphone perfekt in der Holzbläser-Sektion platzieren.
- Synchronized Heckelphone: Für Nutzer des modernen Synchron Players aufbereitet. Es nutzt maßgeschneiderte Convolution-Presets, um das Instrument akustisch direkt in die Synchron Stage Vienna zu versetzen, was das Layering mit anderen Synchron-Libraries erheblich erleichtert.
5. Technische Übersicht
| Merkmal | Details |
| Instrumententyp | Doppelrohrblattinstrument (Bass-Oboe-Familie) |
| Tonumfang | Reicht hinunter bis zum tiefen A (A1) |
| Klangfarbe | Tief, sonor, reich an Obertönen, ausdrucksstark |
| Besonderheit | Extrem seltenes Instrument, ideal für spezifische Orchesterfarben |
Fazit: Das VSL Heckelphone ist ein Spezialist für Kenner. Es ist kein Alltagsinstrument, aber wenn du eine Passage schreibst, die eine tiefe, klagende und dennoch kraftvolle Holzbläser-Stimme benötigt, gibt es keinen Ersatz für diesen Sound.
“The Vienna Instruments Special Woodwinds fully meet the high expectations we have by a VSL release. […] I feel that this instrument collection is, based on its unique sound and its great strength of expression, most definitely worth the money.”
Interface, November 2007
Special Woodwinds (31GB) has five new, rare instruments. The bass flute sounds beautifully warm and breathy, especially in its sumptuous low register. Played in combination with strings, it creates a psychoacoustic effect akin to being wrapped in cotton wool and dipped in warm caramel. If that thought makes you feel amorous, you might fancy a quick tottle on the lovely oboe d’amore (a warm exotic-sounding reed instrument reminiscent of a cor anglais, but with a slightly brighter tone). Sounding like a bass oboe, with which it is often confused, the hecklephone is stunningly expressive and lyrical, and one of the nicest sounding woodwinds in VSL’s collection.
Dave Stewart, Sound on Sound, October 2007
Firma: Vienna Symphonic Library

