Musik-Instrumente von GForce Software

Gute Software-Emulationen aus den Tagen der Analog-Technik

SSL Comp

Das Waves SSL G-Master Buss Compressor Plugin ist wohl einer der legendärsten Dynamikprozessoren der Musikgeschichte. Er emuliert den zentralen Kompressor der SSL 4000 G-Konsole, der als der ultimative „Mix-Kleber“ (The Glue) bekannt geworden ist.

Fast jeder große Hit der letzten 40 Jahre ist durch diesen Kompressor (oder eine seiner Emulationen) gelaufen.

Was macht den SSL Buss Comp so einzigartig?

Das Geheimnis dieses Kompressors liegt in seiner Fähigkeit, die verschiedenen Elemente eines Mixes (Drums, Bass, Gitarren, Vocals) so miteinander zu verbinden, dass sie wie eine homogene Einheit klingen und nicht wie eine Ansammlung einzelner Spuren.

  • VCA-Design: Er arbeitet extrem präzise und schnell.
  • Musikalische Kurve: Er hat ein sehr spezifisches Knie (Knee), das bei moderaten Einstellungen fast unhörbar arbeitet, aber bei starkem Einsatz für einen kräftigen Punch sorgt.
  • Auto-Release: Die Einstellung „Auto“ ist der Favorit vieler Engineers. Sie passt die Ausklingzeit dynamisch an das Material an – perfekt für komplexe Signale wie einen gesamten Mix.

Die wichtigsten Parameter für den "Glue"-Effekt

Um den klassischen SSL-Sound zu erreichen, nutzen die meisten Producer die sogenannten Standard-Settings:

  1. Threshold: So einstellen, dass die Nadel nur etwa $1$ bis $4$ dB Gain Reduction anzeigt.
  2. Ratio: Meist auf 2:1 für Transparenz oder 4:1 für mehr Kontrolle und Druck.
  3. Attack: Oft eher langsam gewählt ($10$ oder $30$ ms), damit die Transienten (der „Kick“ der Drums) nicht plattgedrückt werden und der Mix lebendig bleibt.
  4. Release: Auf Auto stellen oder passend zum Tempo des Songs (oft schnell, um die Energie hochzuhalten).
  5. Make-up Gain: Um den Pegelverlust auszugleichen und den Mix wieder auf das gewünschte Level zu bringen.

Warum sollte man ihn nutzen?

  • Zusammenhalt: Er lässt den Mix kompakter und fertiger klingen.
  • Punch: Besonders im Bassbereich sorgt er für eine straffe, kontrollierte Dynamik.
  • Klassischer Sound: Er verleiht dem digitalen Mix eine subtile analoge Note, die wir aus dem Radio und von Streaming-Plattformen gewohnt sind.

Typische Einsatzgebiete

  • Master-Buss (Summe): Die klassische Anwendung. Er sitzt als letztes (oder vorletztes) Glied in der Kette, bevor der Limiter kommt.
  • Drum-Bus: Er ist exzellent geeignet, um eine Schlagzeuggruppe massiv und druckvoll zu machen.
  • Piano-Gruppen: Hilft dabei, die oft extremen Dynamiksprünge eines Pianos zu bändigen, ohne den Klang zu verfärben.

Profi-Tipp: Mixen "in den Kompressor"

Viele Top-Engineers laden den SSL Buss Compressor schon zu Beginn des Mix-Prozesses auf ihre Master-Summe. Anstatt ihn erst am Ende hinzuzufügen, mischen sie von Anfang an gegen die Kompression an. Das führt dazu, dass man instinktiv bessere Entscheidungen beim Panning und bei der Lautstärkebalance trifft, weil man sofort hört, wie die Elemente miteinander interagieren.

Vorsicht: Achte auf den Fade-Regler. Das Plugin hat eine integrierte Fade-Funktion für das Ende eines Songs. Wenn dein Mix plötzlich leiser wird oder ganz verschwindet, hast du vermutlich versehentlich den Fade-Button betätigt!

Firma: Waves


Smack Attack

Das Waves Smack Attack ist ein hochmoderner Transient Shaper, der speziell dafür entwickelt wurde, die Anschlagphase (Attack) und die Ausklingphase (Sustain) von perkussiven Signalen präzise zu formen.

Während ein normaler Kompressor die Dynamik basierend auf dem Pegel (Threshold) bearbeitet, arbeitet Smack Attack pegelunabhängig. Es erkennt die Transienten (die schnellen Druckanstiege zu Beginn eines Sounds) und erlaubt es dir, diese massiv zu verstärken oder abzuschwächen.

Die Hauptsektionen

1. Attack (Der "Smack")

Hier bestimmst du, wie hart ein Instrument einschlägt.

  • Boost: Verleiht einer Snare mehr "Knall" oder einer Kick mehr "Kick", damit sie sich durch eine dichte Wand aus Gitarren oder Synths schneidet.
  • Reduction: Macht den Anschlag weicher. Ideal, wenn z. B. eine Akustikgitarre zu sehr "pickt" oder die Percussion zu aggressiv im Vordergrund steht.

2. Sustain (Die "Energie")

Hier steuerst du das Ausschwingverhalten.

  • Boost: Verlängert das Nachklingen (z. B. den Teppich der Snare oder den Raumanteil einer Aufnahme), was den Sound "fetter" und größer macht.
  • Reduction: Verkürzt den Ausklang. Perfekt, um Drums "trockener" zu machen oder unsauberes Ausklingen in den Griff zu bekommen.

Die "Geheimwaffen" von Smack Attack

  • Sensitivity-Regler: Dies ist der wichtigste Unterschied zu vielen anderen Transient Shaper. Du kannst separat für Attack und Sustain einstellen, ab welcher Intensität das Plugin reagieren soll. So verhinderst du, dass z. B. das leise Übersprechen der Hi-Hat auf dem Snare-Mikrofon fälschlicherweise mitbearbeitet wird.
  • Shape & Duration: Du kannst die Kurvenform des Eingriffs verändern. Ein kurzer, spitzer Attack klingt wie ein "Tick", ein längerer eher wie ein "Punch".
  • Guard (Limiter): Ein integrierter Brickwall-Limiter verhindert, dass die massiven Pegelspitzen, die durch den Attack-Boost entstehen können, deine DAW übersteuern.

Warum sollte man Smack Attack nutzen?

  1. Durchsetzungskraft ohne EQ: Anstatt die Höhen anzuheben, um eine Snare präsenter zu machen (was oft schrill klingt), verstärkst du einfach den Attack. Das Ergebnis ist druckvoller und natürlicher.
  2. Rettung von Aufnahmen: Wenn eine Kick-Drum zu "pappig" aufgenommen wurde und keinen Kick-Anteil hat, kann Smack Attack diesen künstlich herausarbeiten.
  3. Kreatives Sound-Design: Du kannst Loops komplett umgestalten, indem du sie extrem kurz und knackig ("staccato") machst oder sie in eine atmosphärische Wand aus Sustain verwandelst.

Typische Einsatzgebiete

  • Drums (Kick, Snare, Toms): Der absolute Standard-Einsatzort für mehr Punch und Kontrolle.
  • Akustikgitarre: Um das Plektrum-Geräusch entweder zu betonen (für mehr Rhythmus-Definition) oder zu zähmen (für einen sanfteren Strumming-Sound).
  • Piano: Macht ein Klavier perkussiver und gläserner, was besonders in Pop-Produktionen oft gewünscht ist.
  • Loops & Samples: Ideal, um vorgefertigte Samples perfekt an das Tempo und den Vibe deines Songs anzupassen.

Profi-Tipp: Den "Raum" kontrollieren

Wenn du eine Drum-Aufnahme mit viel Raumanteil hast, den du nicht wegbekommst, nutze den Sustain-Regler im negativen Bereich. Smack Attack zieht das Signal nach dem Anschlag sofort nach unten und wirkt so fast wie ein extrem präzises Noise Gate, das jedoch viel natürlicher klingt.

Firma: Waves


Sibilance

Das Waves Sibilance ist ein moderner, hochintelligenter DeEsser, der sich deutlich von klassischen Modellen (wie dem Renaissance DeEsser) unterscheidet. Er nutzt die von Waves entwickelte Organic ReSynthesis-Technologie, um Zischlaute präziser als je zuvor zu identifizieren und zu eliminieren, ohne den Rest der Stimme zu beeinflussen.

Während herkömmliche DeEsser oft wie ein Hammer wirken, arbeitet Sibilance eher wie ein Skalpell.

Was macht Sibilance anders?

Klassische DeEsser reagieren auf Pegelspitzen in einem bestimmten Frequenzbereich. Das Problem: Wenn der Sänger ein lautes Wort singt, das kein "S" enthält, greift der DeEsser oft trotzdem ein und macht die Stimme dumpf.

Waves Sibilance hingegen:

  • Spektrale Trennung: Es erkennt den Unterschied zwischen der eigentlichen Stimme (Vokalen) und dem unerwünschten Rauschen (Zischlauten) nicht nur anhand der Lautstärke, sondern anhand ihrer Beschaffenheit.
  • Artefaktfrei: Da es nur die "Sibilanten" bearbeitet, bleibt die Klangfarbe der Vokale zu 100% erhalten. Man kann extrem stark eingreifen, ohne dass der Sänger anfängt zu lispeln.

Sibilance Live

Die wichtigsten Regler

  • Threshold: Bestimmt, ab wann das Plugin die Zischlaute erkennt.
  • Detection: Hiermit stellst du ein, wie sensibel das Plugin auf Zischlaute reagiert. Du kannst es so einstellen, dass es wirklich nur die schärfsten Spitzen abfängt.
  • Mode (Wide/Split): * Wide senkt die Lautstärke des gesamten Zischlauts ab.
    • Split bearbeitet nur die spezifischen Frequenzen des Zischlauts.
  • Graphische Anzeige: Du siehst in Echtzeit, welche Teile des Wellenform-Signals als Zischlaute identifiziert wurden (gelbe Markierung) und wie stark sie reduziert werden.

Warum sollte man Sibilance nutzen?

  1. Extreme Natürlichkeit: Es ist wohl das DeEsser-Plugin, das am wenigsten nach "Bearbeitung" klingt. Die Stimme behält ihre Brillanz und Luftigkeit.
  2. Schnelligkeit: Dank der intelligenten Erkennung musst du nicht lange nach der exakten Frequenz suchen (wie bei klassischen EQs). Es funktioniert meistens sofort ("Set and Forget").
  3. Ideal für helles Mixing: Wenn du Vocals mit viel High-End-Boost (z.B. mit dem Scheps 73 bei 12 kHz) mischst, werden die S-Laute oft unerträglich. Sibilance erlaubt es dir, die Höhen extrem zu pushen, weil es die Schärfe zuverlässig kontrolliert.

Typische Einsatzgebiete

  • Lead-Vocals: Besonders bei modernen Pop-, Trap- oder Rock-Produktionen, wo die Stimme sehr nah und hell klingen muss.
  • Voice-Over & Podcasts: Perfekt, um Mundgeräusche und scharfe Konsonanten bei Sprachaufnahmen zu glätten.
  • Harte Dopplungen: Wenn man viele Vocal-Spuren übereinanderlegt, addieren sich die "S"-Laute oft zu einem unangenehmen Zischen. Sibilance auf dem Vocal-Bus räumt hier radikal auf.

Profi-Tipp: Sibilance am Ende der Kette

Viele platzieren den DeEsser am Anfang der Kette. Versuche aber mal, Sibilance ganz am Ende (nach EQ und Kompression) zu nutzen. Da Kompressoren die leisen Zischlaute oft erst richtig nach vorne holen, kann Sibilance am Schluss der Kette alles wieder perfekt glattbügeln, ohne die Dynamik-Entscheidungen davor zu stören.

Firma: Waves


Scheps Parallel Particles

Das Waves Scheps Parallel Particles ist ein spezialisiertes Sound-Design- und Mixing-Tool, das in Zusammenarbeit mit Andrew Scheps entwickelt wurde. Im Gegensatz zu herkömmlichen Plugins, die auf technischen Parametern wie Frequenz oder Ratio basieren, arbeitet dieses Plugin mit vier „Partikeln“, die komplexe Prozesse (wie Sättigung, Kompression und EQ) unter einer Haube vereinen.

Die Philosophie dahinter: Man schraubt nicht an der Technik, sondern am Gefühl und der Einstellung des Sounds.

Die vier "Particles" (Klang-Elemente)

Jeder Regler steuert eine Kombination aus verschiedenen Bearbeitungsschritten, die parallel zum Originalsignal beigemischt werden:

1. Sub (Harmonischer Bass)

  • Was es tut: Es fügt tieffrequente Obertöne hinzu und nutzt Resonanzfilter.
  • Der Effekt: Es macht den Bass nicht einfach nur lauter (wie ein EQ), sondern erzeugt ein massives, physisches Fundament, das man eher „fühlt“ als hört. Ideal, um dünnen Kicks oder Bässen mehr Gewicht zu verleihen.

2. Air (Präsenz & Glanz)

  • Was es tut: Es fokussiert sich auf die obersten Frequenzen und nutzt eine spezifische Form der parallelen Sättigung.
  • Der Effekt: Es verleiht dem Signal eine seidige Luftigkeit und Offenheit, ohne dass es scharf oder zischend klingt. Perfekt für Vocals oder Overheads.

3. Bite (Attack & Energie)

  • Was es tut: Es bearbeitet die Transienten und die oberen Mitten.
  • Der Effekt: Es macht den Sound aggressiver und sorgt dafür, dass er sich im Mix nach vorne schiebt. Es gibt einer Snare mehr „Knall“ oder einer Stimme mehr „Biss“.

4. Thick (Körper & Dichte)

  • Was es tut: Es arbeitet vor allem in den unteren Mitten und nutzt Kompression sowie Sättigung.
  • Der Effekt: Es verleiht dem Sound mehr Fleisch und Wärme. Es füllt die Lücken in einem dünnen Signal auf und lässt es „teurer“ und solider klingen.

Die Besonderheit: Parallele Bearbeitung

Das entscheidende Wort im Namen ist Parallel. Das Plugin verändert nicht das Originalsignal direkt, sondern mischt die bearbeiteten Anteile hinzu. Dadurch bleibt die Dynamik und der Grundcharakter deines Instruments erhalten, während die Partikel den Sound lediglich „anreichern“.

Warum sollte man Scheps Parallel Particles nutzen?

  • Schnelligkeit: Wenn du weißt, was dem Sound fehlt (z. B. „mehr Eier“ untenrum oder „mehr Glanz“ oben), musst du nicht drei verschiedene Plugins laden. Ein Regler genügt.
  • Andrew Scheps' "Secret Sauce": Die Algorithmen basieren auf den komplexen Ketten, die Andrew normalerweise in seinen Mixen verwendet. Du bekommst also seinen High-End-Sound in einer extrem einfachen Bedienoberfläche.
  • Musikalität: Es ist fast unmöglich, den Sound mit diesem Plugin komplett zu zerstören. Da alles parallel abläuft, klingt es selbst bei hohen Einstellungen oft noch sehr musikalisch.

Typische Einsatzgebiete

  • Drums: Sub für die Kick, Bite für die Snare und Air für das ganze Kit.
  • Vocals: Air für den modernen Pop-Glanz und Thick, um eine dünne Stimme kräftiger zu machen.
  • Synthesizer: Bite hilft dabei, digitale Synths durch eine dichte Wand aus Gitarren schneiden zu lassen.
  • Mix-Bus: Sehr vorsichtig eingesetzt, kann es einem gesamten Mix den finalen „Varnish“ (Schliff) geben.

Profi-Tipp: Das Gain-Staging

Da das Plugin sehr viel Energie hinzufügt, achte unbedingt auf die Input- und Output-Anzeigen. Wenn du die Partikel stark aufdrehst, wird das Signal deutlich lauter. Nutze den Output-Regler, um die Lautstärke wieder anzugleichen. Nur so kannst du wirklich hören, ob die Partikel den Sound besser machen oder ob es nur die psychoakustische Täuschung durch die höhere Lautstärke ist.

Firma: Waves