
Der KORG Prophecy (erschienen 1995) ist ein echter Exzentriker unter den Synthesizern. Er kam zu einer Zeit auf den Markt, als die Welt von Samples und Workstations dominiert wurde, und brach mit der Tradition, indem er die Physical Modeling Synthese in ein kompaktes, fast schon aggressiv designtes Gehäuse packte.
Hier sind die wichtigsten Aspekte, die den Prophecy zum Kult-Instrument machten:
1. Die Klangerzeugung: MOSS-Synthese
Anstatt auf Samples (wie das Klavier oder Streicher in einem ROM) zuzugreifen, nutzt der Prophecy das MOSS-System (Multi-Oscillator Synthesis System). Er berechnet physikalische Eigenschaften von Instrumenten in Echtzeit. Er bietet verschiedene Modelle:
- Virtual Analog: Simulation klassischer Oszillatoren und Filter.
- VPM (Variable Phase Modulation): Ähnlich der FM-Synthese für metallische Klänge.
- Brass & Reed Models: Simulation von Lippen- und Rohrblattinstrumenten (Trompeten, Saxofone).
- Plucked String: Simulation von gezupften Saiten.
2. Einzigartige Spielkontrolle
Das markanteste Merkmal ist der Log-Controller oberhalb der Tastatur. Er kombiniert ein Pitch-Bend-Rad mit einem bandähnlichen Ribbon-Controller, auf dem man mit dem Finger gleiten oder drücken kann.
Zusammen mit den fünf Drehreglern ermöglichte dies eine Performance-Tiefe, die für Solisten (Leads) konzipiert war – man konnte den Klang während des Spielens extrem organisch "verbiegen".
3. Der Klangcharakter
Der Prophecy ist berühmt für seine brachialen, schneidenden und lebendigen Sounds.
- Bässe: Er lieferte einige der bekanntesten Drum-and-Bass- und Techno-Bässe der 90er Jahre.
- Leads: Die Fähigkeit, fast "menschlich" zu klingen oder extreme synthetische Schreie zu erzeugen, machte ihn zum Favoriten für Solisten.
- Effekte: Er besitzt eine sehr leistungsfähige Effektsektion (Distortion, Wah, Delay, Hall), die fest in die Soundprogrammierung integriert ist.
4. Design und Ergonomie
- Kompakt: Mit nur 37 Tasten war er als reiner Solo-Synthesizer gedacht.
- Monophon: Er kann nur eine Note gleichzeitig spielen, was ihn für komplexe Akkorde unbrauchbar macht, aber seine Identität als "Lead-Monster" unterstreicht.
- Bedienung: Das Editieren am kleinen Display gilt heute als legendär mühsam (Menu-Diving), weshalb viele Nutzer auf Software-Editoren zurückgreifen.
Technische Daten im Überblick
| Feature | Spezifikation |
| Synthese | MOSS (Physical Modeling) |
| Polyphonie | Monophon (1 Stimme) |
| Tastatur | 37 Tasten mit Anschlagdynamik und Aftertouch |
| Controller | Pitch-Rad, Mod-Rad, Log-Controller (Ribbon), 5 Potis |
| Bekannte Nutzer | The Prodigy, Orbital, Jan Hammer, Joe Zawinul |
Fazit: Der KORG Prophecy ist kein Allrounder. Er ist eine Spezialmaschine für expressive Soli und aggressive Bässe. Wer den Sound der elektronischen Musik der späten 90er sucht, kommt an diesem silbernen Kasten kaum vorbei.
Firma: Korg

