Musik-Instrumente von Korg

Beste Sounds aus alten Tagen, neu aufgelebt als Studio-Software

Korg Trinity

Der KORG Trinity (erschienen 1995) war ein technisches Beben in der Synthesizer-Welt. Er war der direkte Vorgänger des Triton und markierte den Punkt, an dem Korg die Konkurrenz in Sachen Design und Display-Technologie um Jahre überholte. Mit seinem eleganten silbernen Gehäuse wirkte er damals wie ein Instrument aus der Zukunft.

Hier sind die Gründe, warum der Trinity bis heute als eine der bestklingenden Workstations gilt:

1. ACCESS-Synthese und Klangqualität

Der Trinity nutzt das ACCESS-System (Advanced Control Combined Synthesis System).

  • Sampling-Qualität: Er verwendet 24 MB an 48-kHz-Samples. Was heute nach wenig klingt, war 1995 absolute Oberklasse. Die Klangqualität wird von vielen Fans sogar als „edler“ und „druckvoller“ beschrieben als die des Nachfolgers Triton.
  • Filter: Die Filter des Trinity gelten als besonders musikalisch und warm für ein digitales System der 90er Jahre.

2. Das erste TouchView-Display

Der Trinity war der erste Synthesizer weltweit mit einem Touchscreen. Dieses große, grafische Display (320x240 Pixel) revolutionierte die Bedienung. Man konnte Parameter direkt auf dem Bildschirm antippen und verändern, was den Workflow im Vergleich zu den winzigen Displays der Konkurrenz (wie beim Roland XP-80) massiv beschleunigte.

3. Effekte und Flexibilität

Der Trinity besaß eine für damalige Verhältnisse gigantische Effekt-Sektion. Die Qualität der Reverbs und Delays war so hoch, dass viele Musiker den Trinity als primäres Effektgerät für ihre gesamten Produktionen nutzten. Er war zudem modular aufgebaut:

  • MOSS-Option: Man konnte ein Board nachrüsten, das dem Trinity die Physical-Modeling-Power des Korg Prophecy verlieh.
  • Hard Disk Recording: Mit der HDR-Option konnte der Trinity sogar Audio-Spuren aufnehmen – ein Vorläufer der modernen DAW-Integration.

4. Die Legende: "Trinity Piano" und Pads

Besonders berühmt ist der Trinity für:

  • Pads & Chöre: Seine schwebenden, atmosphärischen Flächen sind bis heute unerreicht und prägten den Sound von zahllosen Soundtracks.
  • E-Pianos: Die Rhodes- und Wurlitzer-Emulationen hatten einen ganz eigenen, warmen Biss.

Die Trinity-Modelle

Modell Besonderheiten
Trinity (Classic) Das Standardmodell mit 61 Tasten.
Trinity Pro / ProX Versionen mit 76 bzw. 88 gewichteten Tasten.
Trinity V3 Enthält ab Werk das MOSS-Board (Z1-Synthese), was ihn zum klanglich vielseitigsten Modell macht.
Trinity TR-Rack Die 19-Zoll-Version mit doppelt so vielen Sounds (32 MB), aber ohne Touchscreen.

Technische Highlights

  • Polyphonie: 32 Stimmen (im Single-Modus).
  • Sequenzer: 16 Spuren, 80.000 Noten Kapazität.
  • Controller: Korg-typischer Joystick und ein langer Ribbon-Controller unter dem Joystick.
  • Bekannte Nutzer: Antiloop, Jean-Michel Jarre, Scorpions, Rick Wakeman.

Fazit: Der Trinity ist die „Diva“ unter den Korg-Workstations. Er braucht etwas länger zum Laden (Diskettenlaufwerk!), aber sein hifi-artiger, breiter Sound sorgt dafür, dass er auch 30 Jahre später in vielen Profi-Studios noch als Geheimwaffe für atmosphärische Klänge steht.

Firma: Korg


Korg PS 3300

Der KORG PS-3300, der 1977 auf den Markt kam, gilt unter Synthesizer-Enthusiasten als der „Heilige Gral“ der analogen Klangerzeugung. Er ist einer der seltensten, komplexesten und imposantesten polyphonen Synthesizer, die je gebaut wurden.

Hier ist ein Überblick über das, was dieses „Monster“ so besonders macht:

1. Die Architektur: Drei Synthesizer in einem

Der PS-3300 ist im Grunde genommen eine Kombination aus drei fast identischen, vollpolyphonen Synthesizer-Blöcken (den PS-3010 Einheiten) in einem riesigen Gehäuse.

  • Vollpolyphonie: Im Gegensatz zu den meisten polyphonen Synthesizern der Zeit, die nur 4 bis 8 Stimmen hatten, war der PS-3300 vollpolyphon. Das bedeutet, jede Taste der Tastatur hat ihre eigene dedizierte Klangerzeugung. Man kann alle 48 Tasten gleichzeitig drücken, und jede einzelne klingt aus.
  • Drei Layer: Da es drei separate Sektionen gibt, kann jede Taste bis zu drei unterschiedliche Oszillatoren gleichzeitig triggern. Das ermöglichte extrem dichte, orchestrale Texturen.

2. Der Klangcharakter

Der Sound des PS-3300 wird oft als organisch, lebendig und fast „unendlich tief“ beschrieben. Das liegt vor allem an zwei technischen Besonderheiten:

  • Triple Resonators: Jede der drei Sektionen verfügt über drei Bandpass-Filter (Resonatoren). Damit lassen sich vokalartige Klänge oder komplexe Formant-Verschiebungen erzeugen, die dem Synthesizer eine fast akustische Qualität verleihen.
  • Temperierung: Da jede Note einzeln gestimmt werden kann, ist es möglich, mit mikrotonalen Skalen oder bewusst „unsauberen“ Verstimmungen zu arbeiten, was einen massiven Chorus-Effekt erzeugt.

3. Semi-modulare Flexibilität

Obwohl der Signalweg intern vorgegeben ist, verfügt das Frontpanel über unzählige Klinkenbuchsen.

  • Man kann die Modulationsquellen (LFOs, Hüllkurven) zwischen den drei Blöcken kreuzen.
  • Dies macht ihn zu einer Brücke zwischen einem klassischen polyphonen Keyboard und einem modularen System.

4. Technische Daten im Überblick

Feature Details
Erscheinungsjahr 1977
Oszillatoren 3 VCOs pro Taste (insgesamt 144 Oszillatoren!)
Filter 12 dB/Okt Lowpass + Triple Resonators
Polyphonie 48 Stimmen (vollpolyphon)
Gewicht ca. 40 - 50 kg (ohne Keyboard)

5. Seltenheit und Erbe

Es wurden vermutlich weniger als 50 Exemplare weltweit produziert. Berühmte Nutzer wie Vangelis, Jean-Michel Jarre und Keith Emerson schätzten das Gerät für seine Fähigkeit, riesige Klangwände zu erzeugen.

Interessanter Fakt für die heutige Zeit: Aufgrund der extremen Seltenheit und der astronomischen Preise für Originalgeräte hat KORG im Jahr 2024 eine detailgetreue Hardware-Neuauflage (Full-Scale Reissue) angekündigt, um diesen legendären Sound wieder zugänglich zu machen.

Firma: Korg


Korg PS 3300

Der KORG ARP 2600 ist die detailgetreue Wiedergeburt eines der absolut wichtigsten Instrumente in der Geschichte der Synthesizer. Das Original wurde zwischen 1971 und 1981 von ARP Instruments gebaut und gilt als das "Schweizer Taschenmesser" des Sounddesigns.

Korg hat dieses Monument der Musikgeschichte ab 2020 in verschiedenen Versionen neu aufgelegt, in enger Zusammenarbeit mit David Friend, dem ursprünglichen Mitbegründer von ARP.

1. Das Konzept: Semi-Modularität

Der ARP 2600 ist ein semi-modularer Synthesizer. Das bedeutet:

  • Feste Verdrahtung: Du kannst sofort einen Ton hören, ohne ein einziges Kabel zu stecken (der Signalweg ist intern bereits sinnvoll verbunden).
  • Patch-Panel: Über unzählige Buchsen kannst du diese internen Verbindungen aufbrechen und den Synthesizer völlig frei neu verkabeln. Dies macht ihn zu einem der besten Lehrmittel für die analoge Synthese.

2. Drei Oszillatoren und extreme Flexibilität

Im Gegensatz zum Minimoog, der zur gleichen Zeit erschien, bietet der 2600er Möglichkeiten, die weit über Standard-Musik hinausgehen:

  • 3 VCOs: Jeder mit unterschiedlichen Wellenformen und Modulationsmöglichkeiten.
  • Eingebauter Lautsprecher: Eine Besonderheit des 2600, die ihn mobil (innerhalb eines Studios) und autark machte.
  • Federhall (Spring Reverb): Die mechanische Hallspirale im Inneren verleiht dem Sound eine unverwechselbare, fast schon unheimliche Tiefe.

3. Ikonische Sounds: Von Star Wars bis Thriller

Der Klangcharakter ist präzise, druckvoll und wissenschaftlich. Der ARP 2600 ist verantwortlich für einige der berühmtesten Sounds der Popkultur:

  • R2-D2: Ben Burtt erzeugte die „Stimme“ des Roboters aus Star Wars mit einem ARP 2600.
  • Frankenstein: Der berühmte Lead-Sound von Edgar Winter.
  • Michael Jackson: Viele der markanten Sounds auf dem Thriller-Album stammen von diesem Gerät.

4. Die Korg-Versionen

Korg hat den Klassiker in drei Varianten zurückgebracht:

  1. ARP 2600 FS (Full Scale): Eine exakte Kopie in Originalgröße, inklusive des legendären 3620-Keyboards. Diese Version war extrem limitiert und ist heute ein begehrtes Sammlerstück.
  2. ARP 2600 M: Eine kompaktere Version (etwa 60% der Größe), die technisch identisch ist, aber leichter zu transportieren und platzsparender im Studio ist. Sie besitzt zudem USB-MIDI.
  3. Wavestate/Modwave Integration: Korg nutzt Filter-Modelle des 2600 auch in seinen modernen digitalen Synthesizern.

Technische Highlights

Fazit: Der KORG ARP 2600 ist kein Instrument, das man "mal eben" bedient. Er lädt zum Experimentieren ein und belohnt den Nutzer mit Klängen, die von klassischen Bässen bis hin zu völlig außerweltlichen Soundeffekten reichen.

Firma: Korg


Korg SGX 2

Während der KORG PS-3300 eine Legende der analogen Synthese aus den 70ern ist, repräsentiert der SGX-2 das moderne Flaggschiff von KORG im Bereich der digitalen Klaviersimulation.

Der SGX-2 (Premium Piano) ist keine eigenständige Hardware-Einheit, sondern eine hochspezialisierte Sound-Engine, die ursprünglich für Workstations wie den KORG Kronos und Nautilus entwickelt wurde und mittlerweile auch als Software-Instrument für Mac/PC (KORG Collection) erhältlich ist.

1. Das Konzept: Maximale Authentizität

Im Gegensatz zu einfachen Sample-Playern nutzt die SGX-2 Engine massive Datenmengen und spezielle Algorithmen, um das Verhalten eines echten Flügels ohne Kompromisse nachzubilden.

  • Loop-freie Stereo-Samples: Bei günstigeren Digitalpianos werden auslaufende Töne oft „geloopt“ (wiederholt), um Speicherplatz zu sparen. Der SGX-2 verwendet für jede der 88 Tasten Samples, die komplett natürlich ausklingen – das kann bei einer einzigen Note über 30 Sekunden dauern.
  • 12 Velocity-Layer: Die Engine erkennt extrem fein, wie hart eine Taste angeschlagen wird. Sie wechselt dabei zwischen bis zu 12 verschiedenen Aufnahme-Stufen pro Taste, wodurch sich nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Klangfarbe (Timbre) absolut fließend verändert.

2. Die enthaltenen Piano-Modelle

Die SGX-2 Engine bündelt einige der berühmtesten Konzertflügel der Welt in einem System:

  • German Grand: Der klassische, majestätische Konzertklang (oft mit Steinway assoziiert).
  • Japanese Grand: Ein heller, präziser Klang, der sich besonders gut im Mix von Pop- und Rock-Produktionen durchsetzt (typisch Yamaha-Stil).
  • Berlin Grand: Bekannt für seinen resonanten, fast singenden Toncharakter (in Kooperation mit C. Bechstein entwickelt).
  • Italian Grand: Ein sehr dynamischer, expressiver Flügel (oft mit Fazioli verglichen).

3. Akustische Details (Modeling-Features)

Zusätzlich zu den reinen Aufnahmen simuliert die Engine physikalische Phänomene, die beim Spielen eines echten Klaviers entstehen:

  • String Resonance: Wenn man das Haltepedal drückt, schwingen auch die Saiten mit, die man nicht direkt angeschlagen hat. Die SGX-2 bildet diese komplexen Obertöne mathematisch nach.
  • Una Corda: Simulation des Soft-Pedals. Hierbei werden oft komplett eigene Sample-Sätze verwendet, um die Verschiebung der Hammermechanik klanglich korrekt darzustellen.
  • Mechanical Noises: Man kann Details wie das Geräusch der Dämpfer, die auf die Saiten fallen, oder das Klacken der Tastenmechanik stufenlos einregeln.

4. Einsatzbereiche

Der SGX-2 kommt überall dort zum Einsatz, wo höchste Ansprüche an den Klavierklang gestellt werden:

  • Live-Workstations: In den Modellen Kronos, Nautilus und dem Stage-Piano Grandstage X.
  • Studio: Als Teil der KORG Collection 6 (Software-Plugin), um High-End-Klaviersounds direkt in der DAW zu nutzen, ohne dass man eine 50 kg schwere Workstation tragen muss.

Zusammenfassend: Wenn der PS-3300 das „analoge Monster“ für experimentelle Sounds ist, dann ist die SGX-2 Engine das „digitale Präzisionswerkzeug“ für professionelle Pianisten.

Firma: Korg