
Der Cherry Audio Pro Soloist ist eine detailverliebte Emulation des ARP Pro Soloist aus dem Jahr 1972. Dieses Instrument nahm damals eine Sonderstellung ein: Es war kein komplexer Modular-Synthesizer zum Schrauben, sondern einer der ersten kommerziell erfolgreichen "Preset-Synthesizer".
Er wurde berühmt durch Künstler wie Tony Banks (Genesis), der ihn für die ikonischen Soli auf Alben wie Selling England by the Pound nutzte, sowie durch Vangelis und Billy Preston.
Das Konzept: Performance über Programmierung
Das Original war dafür gedacht, oben auf einer Orgel oder einem E-Piano zu thronen. Es gab keine Regler für Oszillatoren oder Filter-Hüllkurven, sondern Kippschalter für voreingestellte Sounds wie "Fuzz Guitar", "Oboe" oder "Cosmic Echo".
1. Aftertouch als Herzstück
Der Pro Soloist war bahnbrechend, weil er extrem ausdrucksstark war. Das Original besaß eine der ersten Tastaturen mit Aftertouch, womit man Vibrato, Filter-Wah oder Lautstärke allein durch Fingerdruck steuern konnte. Cherry Audio hat diesen Fokus auf die Expressivität perfekt in die moderne DAW-Welt (via MIDI-Aftertouch oder MPE) übertragen.
2. Der "Edit"-Modus (Die Befreiung)
Während man beim Original an die Presets gebunden war, erlaubt Cherry Audio den Blick unter die Haube:
- Vollständige Programmierung: Über einen "Edit"-Knopf öffnet sich das Panel, und man bekommt Zugriff auf die tatsächliche Klangerzeugung (VCOs, Resonanzfilter, LFOs).
- Einzigartige Filter: Die Nachbildung des berühmten ARP-Filters fängt den leicht instabilen, "beißenden" Charakter ein, der so typisch für die frühen 70er war.
3. Digitale Erweiterungen
- Polyphonie: Das Original war strikt monophon. Cherry Audio bietet optional einen 16-stimmigen Poly-Modus, was den Pro Soloist in eine völlig neue Klangdimension hebt.
- Effekte: Integrierter Distortion, Chorus/Flanger, Delay und ein sehr schöner Reverb.
- Last-Note-Priority: Wichtig für das authentische Spielgefühl der alten Soli.
Sound-Charakteristik
Der Pro Soloist hat einen sehr speziellen, "singenden" Charakter:
- Nostalgisch & Vintage: Er klingt sofort nach 1973. Die Holzbläser-Imitationen haben diesen charmanten, leicht künstlichen Analog-Vibe.
- Expressiv: Er ist kein Synthesizer für Hintergrund-Pads, sondern ein Lead-Instrument. Er soll im Vordergrund stehen und "gespielt" werden.
- Schneidend: Die Leads können sich durch jeden dichten Mix bohren, ohne dabei unangenehm zu wirken.
Fazit
Der Cherry Audio Pro Soloist ist eine Zeitmaschine. Er ist ideal für alle, die den Progressive Rock der 70er lieben oder diesen ganz speziellen, expressiven Vintage-Lead-Sound suchen, der sich organisch anfühlt.
Er ist im Vergleich zum massiven PS-3300 wesentlich fokussierter und "intimer" – ein Instrument für echte Melodien.
Firma: Cherry Audio

