
XILS 4 von Xils-Lab ist ein absolutes Schwergewicht unter den Software-Modularsynthesizern. Er ist die Emulation eines Prototyps, der es nie in die Massenfertigung geschafft hat: des EMS VCS4.
Im Grunde genommen kombiniert der XILS 4 die Power von zwei EMS VCS3 (den legendären „Synthis“) in einem einzigen Gehäuse und fügt einen massiven Sequenzer sowie moderne Modulationsmöglichkeiten hinzu.
1. Das Konzept: „Zwei Herzen schlagen ach...“
Die Architektur des XILS 4 basiert auf zwei interagierenden Synthesizer-Kernen (Synth 1 und Synth 2):
- Dual-Core-Power: Du hast zwei komplette VCS3-Engines zur Verfügung. Das bedeutet: 12 Oszillatoren, zwei Rauschgeneratoren und zwei der berühmten Dioden-Leiter-Filter.
- Cascade Mode: Du kannst die beiden Kerne entweder parallel nutzen oder sie hintereinanderschalten, sodass der Ausgang von Kern 1 direkt in den Eingang von Kern 2 fließt. Das ermöglicht extrem komplexe, sich gegenseitig beeinflussende Klangstrukturen.
2. Die Pin-Matrix: Das Gehirn
Wie beim Original gibt es keine Patchkabel. Stattdessen nutzt du eine Steckfeld-Matrix (Pin Matrix):
- Grenzenlose Freiheit: Du kannst buchstäblich alles mit allem verbinden. Oszillatoren können Filter modulieren, der Ausgang des Federhalls kann zurück in den Ringmodulator fließen – die Möglichkeiten sind fast unendlich.
- Erweiterte Matrix: XILS 4 bietet zusätzliche Matrizen für den Sequenzer und weitere Modulationsquellen, was ihn deutlich mächtiger macht als die ursprüngliche Hardware.
3. Der Sequenzer 256
Eines der Highlights ist die originalgetreue Nachbildung des EMS 256 Sequenzers:
- Polyphoner Sequenzer: Er verfügt über drei unabhängige Ebenen und kann nicht nur Noten, sondern auch Modulationsdaten an die Matrix senden.
- Slew Rate: Jeder Step kann mit einer eigenen Glättung (Slew) versehen werden, was für sehr organische, gleitende Sequenzen sorgt.
4. Besondere Features (Stand 2026)
- Zero-Delay-Filter: Die Filteremulation gehört zum Besten, was es im Softwarebereich gibt. Sie reagiert exakt wie analoge Schaltkreise, besonders bei hoher Resonanz.
- Joystick-Controller: Wie beim echten VCS3 hast du (virtuelle) Joysticks zur Echtzeitsteuerung von zwei Parametern gleichzeitig – ideal für lebendige Performances.
- Vektor-Modulation: Du kannst komplexe Bewegungen aufzeichnen und loopen.
Vor- und Nachteile im Überblick
| Vorteil | Nachteil |
| Klanglicher Charakter: Roh, unberechenbar und unglaublich "analog". | Hohe Lernkurve: Die Pin-Matrix erfordert ein Umdenken im Vergleich zu Standard-Synths. |
| Sounddesign-Monster: Ideal für Soundscapes, Sci-Fi-Effekte und komplexe Drones. | Interface: Die enorme Dichte an Reglern und Steckfeldern kann auf kleinen Bildschirmen unübersichtlich wirken. |
| Effekt-Sektion: Der integrierte Federhall (Spring Reverb) klingt fantastisch nostalgisch. |
Fazit: Für wen ist der XILS 4?
Der XILS 4 ist kein Synthesizer für schnelle Presets (obwohl er hunderte mitbringt). Er ist ein Instrument für Entdecker:
- Sounddesigner, die Klänge erschaffen wollen, die "atmen" und sich ständig verändern.
- Liebhaber klassischer Elektronik, die den Sound von Pink Floyd (Dark Side of the Moon), Brian Eno oder Jean-Michel Jarre suchen.
- Modular-Fans, die die Flexibilität eines großen Systems ohne den Kabelsalat wollen.
Wenn du bereit bist, Zeit in das Studium der Matrix zu investieren, wirst du mit Klängen belohnt, die eine Tiefe und Textur haben, die nur sehr wenige Plugins erreichen.
Expansions:
Firma: Xils-Lab

