Musik-Instrumente von Roland Music

Perfekte Studio-Instrumente von Roland.

Roland Music - JX-3P

Roland cloud JX 3P

Der Roland Cloud JX-3P ist die offizielle, softwarebasierte Emulation des klassischen analogen Synthesizers JX-3P, den Roland ursprünglich 1983 auf den Markt brachte. Das Kürzel steht historisch für „Programmable Preset Polyphonic“ – er war Rolands erster Synthesizer mit MIDI-Schnittstelle.

In der Roland Cloud wird das Instrument mithilfe der hauseigenen ACB-Technologie (Analog Circuit Behavior) auf Komponentenebene nachgebildet, um den spezifischen analogen Charakter des Originals detailgetreu in die DAW zu holen.

Klangarchitektur & Charakter

Der JX-3P ist bekannt für seinen klaren, tighten und oft etwas gläserneren, metallischeren Sound im Vergleich zu den wärmeren Vertretern wie dem Juno-60 oder Juno-106. Das liegt vor allem an seiner Oszillator-Struktur:

  • Zwei DCOs pro Stimme: Im Gegensatz zur Single-Oszillator-Struktur des Juno besitzt der JX-3P zwei digital gesteuerte analoge Oszillator-Schaltkreise (DCO-1 und DCO-2).
  • Modulations-Optionen: Durch die zwei Oszillatoren sind Cross-Modulation und Hard-Sync möglich. Das erlaubt bissige Sync-Leads, metallische FX-Sounds und drahtige Bässe, die ein Juno ohne Modifikationen nicht erzeugen kann.
  • Das Filter (VCF): Er nutzt das klassische IR3109-Tiefpassfilter (24 dB/Oktave), das auch im Jupiter-8 und Juno-60 verbaut war, klingt hier jedoch durch die Resonance-Abstimmung etwas cleaner und prägnanter im Mittenspektrum.
  • Der Chorus: Der typische, breite Roland-Analog-Chorus ist natürlich fest integriert und verleiht dem eher schlanken Grundsound sofort die gewohnte epische Breite.

Besonderheiten der Software-Version

Während das Original-Hardware-Gerät berüchtigt dafür war, dass man es ohne den optionalen Hardware-Controller PG-200 nur mühsam über Tipptasten und einen einzelnen Fader programmieren konnte, löst die Software-Emulation dieses Problem elegant:

  • Integrierte PG-200 Oberfläche: Das Plugin liefert die vollständige Regler-Matrix des originalen Programmers direkt im Interface mit. Alle Parameter (Hüllkurven, Filter-Cutoff, Oszillator-Mix) sind sofort im Direktzugriff und automatisierbar.
  • Erweiterte Polyphonie: Das Original war strikt sechsstimmig. Die Software-Version erlaubt eine deutlich höhere Stimmenanzahl (wählbar im Menü), was lange Release-Phasen bei Flächen-Sounds (Pads) ohne abruptes Abschneiden der Töne ermöglicht.
  • Moderne Effekte: Neben dem klassischen analogen Chorus bietet die Software-Variante zusätzliche integrierte Effekte wie moderne Delays und verschiedene Reverb-Typen.
  • PLUG-OUT Funktionalität: Der JX-3P kann komplett in kompatible Roland-Hardware (wie den SYSTEM-8 Synthesizer) geladen werden, um ihn ohne Computer live zu spielen.

Typische Einsatzbereiche

Der JX-3P ist ein hervorragender Allrounder für alles, was nach den frühen bis mittleren 80er-Jahren klingen soll:

  • Synthwave / Retrowave: Perfekt für schneidende, treibende Arpeggiator-Basslines und glasklare Keys.
  • Chords & Pads: Durch die zwei Oszillatoren lassen sich wunderbar schwebende, leicht verstimmte Flächen oder perkussive Synth-Stabs realisieren.
  • 80s Pop: Authentische Bläser-Emulationen (Synth Brass) und metallische Pluck-Sounds.

Das Plugin läuft nativ auf Windows und macOS in den Formaten VST3, AU und AAX.

Der Roland JX-3P kam 1983 auf den Markt und ist ein absoluter Klassiker unter den analogen Polysynths der 80er-Jahre. Das „3P“ im Namen steht für Programmable, Preset, Polyphonic – Eigenschaften, die damals den Übergang von klobigen, unzuverlässigen analogen Live-Synthesizern hin zu speicherbaren, stimmstabilen Geräten markierten.

Er war zudem einer der allerersten Synthesizer überhaupt, die ab Werk eine MIDI-Schnittstelle besaßen (zusammen mit dem Prophet-600).

Sound & Klangerzeugung

Im Gegensatz zum berühmten Juno-6 oder Juno-106, die nur einen Oszillator pro Stimme nutzen, besitzt der JX-3P zwei DCOs (Digitally Controlled Oscillators) pro Stimme bei einer 6-stimmigen Polyphonie. Das macht seinen Sound klanglich extrem flexibel:

  • Zwei Oszillatoren: Erlaubt echte Intervalle, Verstimmungen (Detuning) für fette Brass- und Lead-Sounds sowie Crossmodulation (Sync und Metal), womit sich auch metallische, glockenartige oder aggressive FM-ähnliche Klänge erzeugen lassen.
  • Der Filter (VCF): Der JX-3P nutzt den legendären IR3109-Filterchip – denselben, der auch im Jupiter-8 und Juno-60 verbaut ist. Er klingt warm, organisch und resonant, packt aber im Bassbereich bei hoher Resonanz etwas weniger kräftig zu als der Juno-60.
  • Der Chorus: Roland-typisch ist ein eingebauter analoger Stereo-Chorus an Bord, der dem eher schlanken und präzisen Grundsound der DCOs sofort die typische, breite 80s-Schwebung verleiht.

Das Interface-Dilemma und der PG-200

Um Kosten zu sparen und dem damaligen Zeitgeist (dem Look des Yamaha DX7) zu entsprechen, verbannte Roland fast alle Regler und Schieber von der Oberfläche. Die Programmierung am Gerät erfolgt etwas mühsam über Tipptasten und einen einzelnen Datenregler.

Wer den JX-3P wie einen klassischen analogen Synthesizer schrauben wollte, griff zum optionalen PG-200 Programmer. Dieser wurde magnetisch auf der rechten Gehäuseseite des JX-3P fixiert und über ein dediziertes 6-Pol-DIN-Kabel verbunden. Er schaltet für jeden Synthese-Parameter einen eigenen Drehregler oder Schalter frei.

Technische Eckdaten im Überblick

Feature Spezifikation
Polyphonie 6 Stimmen
Klangerzeugung Analog mit digitaler Kontrolle (12 DCOs, 2 pro Stimme)
Wellenformen Sägezahn, Rechteck, Puls, Rauschen
Filter Tiefpass (24 dB/Okt, resonanzfähig, IR3109) + statischer Hochpass
Modulation 1 LFO, 1 ADSR-Hüllkurve
Sequencer Interner, polyphoner 128-Schritt-Sequenzer (per Audio-Trigger synchronisierbar)
Speicher 32 Presets (nicht überschreibbar) + 32 User-Speicherplätze


Besonderheiten & Schwachstellen aus heutiger Sicht

Falls du mit dem Gedanken spielst, dir ein Original zuzulegen, gibt es zwei wichtige technische Details, die man kennen sollte:

Das MIDI-/PG-200-Problem: Im Werkszustand teilen sich die MIDI-Buchsen und der Programmer-Anschluss dieselbe interne Leitung. Man kann den JX-3P entweder über MIDI ansteuern oder mit dem PG-200 editieren – beides gleichzeitig geht ohne Modifikation nicht.

Keine Dynamik: Die Tastatur ist weder anschlagsdynamisch noch besitzt sie Aftertouch. Der Klangerzeuger selbst kann über MIDI-In allerdings auch keine Anschlagsdynamik verarbeiten (er ignoriert Velocity-Daten komplett).

Heutzutage gibt es glücklicherweise großartige Upgrade-Kits (wie das bekannte Kiwi3P- oder Organix-Modul). Diese erweitern den JX-3P um volle MIDI-Kontrolle aller Parameter, erweiterten Speicher, Anschlagsdynamik via MIDI und erlauben die gleichzeitige Nutzung von MIDI und Programmer.

Klanglich ist er ein absoluter Geheimtipp, wenn man den klassischen "Roland-Schmelz" sucht, aber wuchtigere Flächen und metallischere Texturen als mit einem Juno erzeugen möchte.

Firma: Roland Music

Roland Music - JX-3P