
Die Roland Cloud System-100 Software-Emulation holt den legendären semi-modularen Klassiker von 1975 direkt in die DAW. Statt die einzelnen Hardware-Komponenten mühsam zusammenzusuchen, fusioniert das Plugin das Model 101 (Synthesizer) und das Model 102 (Expander) in einer einzigen, voll integrierten und flexiblen Bedienoberfläche.
Die Emulation basiert auf Rolands nativer ACB-Technologie (Analog Circuit Behavior), bei der die Schaltkreise der Original-Hardware bis auf Bauteilebene digital nachmodelliert werden, um das unberechenbare und lebendige Verhalten der analogen Komponenten einzufangen.
Die Brücke zwischen Vintage und Moderne
Roland hat den Synthesizer nicht einfach nur kopiert, sondern ihn um moderne digitale Vorzüge erweitert, ohne den rohen Charakter der 70er-Jahre zu opfern:
- Zwei Oszillatoren von Start weg: Da Model 101 und 102 kombiniert sind, steht sofort eine klassische Dual-VCO-Architektur zur Verfügung. Beide VCOs bieten unabhängige Wellenformen, Pulsweitenmodulation (PWM) und Sync-Optionen.
- Virtuelles Patching & Routing-Matrix: Sie können Kabel direkt auf der Oberfläche per Drag-and-Drop von Ausgang zu Eingang ziehen, um komplexe Modulationen aufzubauen. Für noch mehr Übersicht bietet das Plugin unten links eine zusätzliche Routing-Matrix (Pin-Matrix), mit der Signalwege ohne Kabelsalat geschaltet werden können.
- Polyphonie-Option: Das originale System 100 war streng monophon. In der Roland Cloud lässt sich das Instrument auf Knopfdruck polyphon spielen, was völlig neue Klangwelten für epische, analoge Synth-Pads und komplexe Chords eröffnet.
- Erweiterte Effekte: Neben der originalgetreuen Nachbildung des klassischen Ringmodulators und des Sample & Hold-Generators hat Roland moderne Effekte wie ein temposynchronisiertes Delay, Chorus und einen fetten Reverb integriert.
- Arpeggiator: Ein flexibler Arpeggiator ergänzt das System, um schnelle, treibende Sequenzen zu erzeugen.
Hardware-Integration: PLUG-OUT Support
Ein riesiger Vorteil für Live-Musiker und Hardware-Enthusiasten: Das System-100 Plugin unterstützt die PLUG-OUT-Technologie.
Das bedeutet, dass Sie das gesamte Software-Instrument nahtlos in einen kompatiblen Hardware-Synthesizer (wie das Roland SYSTEM-1 oder SYSTEM-8) exportieren können. Der Synthesizer fungiert dann nicht nur als perfekt gemappter USB-Controller, sondern berechnet den Sound komplett autark auf seinen internen DSP-Chips – Sie können den Laptop auf der Bühne also getrost zugeklappt lassen.
Das Roland System 100 (veröffentlicht im Jahr 1975) ist ein Meilenstein der Synthesizer-Geschichte. Es handelt sich nicht nur um ein einzelnes Instrument, sondern um ein wunderschön aufeinander abgestimmtes, semi-modulares Synthesizer-System.
Das geniale Konzept dahinter: Man konnte mit einem voll funktionsfähigen monophonen Synthesizer (dem Model 101) starten und das Setup nach und nach zu einem mächtigen modularen Synthesizer-Arbeitsplatz ausbauen. Jede Komponente besaß ein markantes, graues Metallgehäuse mit edlen Holzseitenteilen.
Die 5 Kernkomponenten des Systems
Das System bestand aus insgesamt fünf separaten Modulen, die über standardisierte Miniklinken-Kabel (CV/Gate und Audio) flexibel miteinander verpatcht werden konnten:
1. Model 101 – Synthesizer
Die Basis des Systems. Ein vollständig autarker, monophoner Analog-Synthesizer mit einer anschlagsdynamikfreien 37-Tasten-Tastatur.
- Klangerzeugung: Bietet einen fetten Analog-Oszillator (VCO) mit Sägezahn-, Rechteck- (inkl. Pulsweitenmodulation) und Dreieckswelle, einen Rauschgenerator, ein hervorragendes Tiefpassfilter (VCF) mit knackiger Resonanz, ein Hochpassfilter, einen VCA sowie eine ADSR-Hüllkurve und einen LFO.
- Er funktioniert komplett ohne Patchkabel, lässt sich aber über die rückseitigen und frontseitigen Buchsen modular aufbrechen.
2. Model 102 – Expander
Die perfekte Ergänzung zum Model 101. Der Expander hat exakt die gleiche Gehäuseform (wird stehend hinter oder neben dem 101 platziert), verzichtet aber auf die Tastatur. Stattdessen bringt er zusätzliche Synthesizer-Module mit, um das System dual-oszillatortauglich zu machen:
- Ein weiterer VCO, ein VCF, ein VCA und eine ADSR-Hüllkurve.
- Zusätzlich an Bord: Ein Sample & Hold-Generator und ein Ringmodulator für metallische, experimentelle FX-Sounds.
3. Model 103 – Audio Mixer
Ein dedizierter 4-Kanal-Stereomixer, der optisch perfekt an die Flanken des Synthesizer-Turms passte. Er verfügt über Panoramaregler für jeden Kanal, ein eingebautes analoges Federhall-System (Spring Reverb) und klassische VU-Meter zur Pegelüberwachung.
4. Model 104 – Sequencer
Ein analoger 2-Spur-Sequenzer mit jeweils 12 Schritten (bzw. 1 Spur mit 24 Schritten). Er erlaubte es, melodische Muster oder rhythmische Filter-Modulationen mechanisch zu steuern, lange bevor Computer diese Aufgabe übernahmen. Über Regler für das exakte Timing (Gate Time) und die Frequenz ließ sich die Sequenz wunderbar manipulieren.
5. Model 109 – Monitor Speakers
Zwei passende, passive Monitorlautsprecher, die das optische Bild des Studio-Arbeitsplatzes links und rechts abrundeten und direkt vom Mixer befeuert wurden.
Der Klangcharakter und historische Bedeutung
Klanglich bietet das System 100 den unverkennbaren, rohen und organischen Roland-Sound der 70er-Jahre – weit bevor der glattere Sound der Juno-Ära Einzug hielt. Die Filter packen extrem musikalisch zu, und die Oszillatoren liefern ein mächtiges, stabiles Fundament, das weltberühmt für tiefe, analoge Bässe und lebendige Leads ist.
Prominente Bands und Künstler wie The Human League, Depeche Mode, Tears for Fears oder Hans Zimmer nutzten das System 100 intensiv für ihre frühen Produktionen.
Historische Einordnung: Das System 100 (semi-modular) darf nicht mit dem gigantischen, rein modularen System 100M verwechselt werden, welches Roland wenige Jahre später (1979) in einem völlig anderen 19-Zoll-Rack-Format auf den Markt brachte.
Firma: Roland Music

