
Die KORG Wavestation (erschienen 1990) ist ein Meilenstein der digitalen Synthese und gilt als eines der „tiefgründigsten“ Instrumente, die Korg je gebaut hat. Sie wurde von einem Team entwickelt, dem auch Dave Smith (der Vater des MIDI und Gründer von Sequential Circuits) angehörte.
Anstatt auf klassische subtraktive Synthese zu setzen, basiert die Wavestation auf der revolutionären Advanced Vector Synthesis.
1. Das Herzstück: Wave Sequencing
Die Wavestation war der erste Synthesizer, der Wave Sequencing beherrschte.
- Im Gegensatz zu einem normalen Sampler spielt sie nicht nur ein einzelnes Sample ab.
- Du kannst eine Kette von verschiedenen Wellenformen (Samples) hintereinanderlegen. Das Gerät überblendet diese Samples rhythmisch oder fließend.
- Das Ergebnis sind Klänge, die sich über Minuten hinweg verändern, pulsieren oder komplexe rhythmische Muster erzeugen.
2. Vector Synthesis & der Joystick
Das auffälligste Bedienelement der Wavestation ist der Vektoren-Joystick.
- Damit kannst du in Echtzeit zwischen vier verschiedenen Klangquellen (A, B, C, D) mischen.
- Diese Bewegungen lassen sich aufzeichnen, sodass der Klang im Zeitverlauf organisch „wandert“.
- Dieses Konzept stammt ursprünglich aus dem Prophet VS von Sequential und wurde hier perfektioniert.
3. Der Klang: Sphärisch und Kinoreich
Die Wavestation ist berühmt für ihre Pads, Texturen und rhythmischen Grooves.
- Sie klingt sehr „digital“, aber im besten Sinne: klar, weit und oft unheimlich.
- Ikonischer Sound: Der berühmte Start-Sound der ersten Apple Macintosh-Computer (ab den 90ern) wurde teilweise auf einer Wavestation erstellt.
- Sie ist bis heute ein Standardwerkzeug für Filmkomponisten und Ambient-Musiker.
4. Die Herausforderung: Das Interface
So brillant der Sound ist, so berüchtigt ist die Wavestation für ihre Programmierung.
- Das Editieren von Wave-Sequenzen an dem kleinen Display mit nur wenigen Tasten gilt als extrem zeitaufwendig („Menu Diving“).
- Aus diesem Grund nutzen viele Musiker heute lieber die Software-Versionen.
Modell-Varianten
- Wavestation (Original): Das klassische Keyboard mit 61 Tasten.
- Wavestation EX: Ein Update mit mehr Samples (darunter Pianos und Drums).
- Wavestation A/D: Die 19-Zoll-Rack-Version, die es erlaubt, externe Audiosignale durch die Filter und Effekte zu schleifen und in die Vektorsynthese einzubinden (sehr begehrt!).
- Wavestation SR: Eine kompakte Rack-Version mit vielen Presets, aber mühsamerer Programmierung.
Technische Highlights
| Feature | Spezifikation |
| Synthese | Advanced Vector Synthesis / Wave Sequencing |
| Polyphonie | 32 Stimmen |
| Multitimbralität | 16-fach |
| Effekte | 55 hochwertige digitale Effekte |
| Bekannte Nutzer | Tony Banks (Genesis), Depeche Mode, Gary Numan, Orbital |
Die Wavestation heute
Korg hat den Geist der Wavestation 2020 mit dem Wavestate wiederbelebt – einem modernen Hardware-Synthesizer, der „Wave Sequencing 2.0“ nutzt und die Bedienung durch viele Regler massiv vereinfacht hat. Zudem ist die Wavestation Teil der digitalen Korg Collection für den Computer.
Firma: Korg

