
Während der KORG PS-3300 eine Legende der analogen Synthese aus den 70ern ist, repräsentiert der SGX-2 das moderne Flaggschiff von KORG im Bereich der digitalen Klaviersimulation.
Der SGX-2 (Premium Piano) ist keine eigenständige Hardware-Einheit, sondern eine hochspezialisierte Sound-Engine, die ursprünglich für Workstations wie den KORG Kronos und Nautilus entwickelt wurde und mittlerweile auch als Software-Instrument für Mac/PC (KORG Collection) erhältlich ist.
1. Das Konzept: Maximale Authentizität
Im Gegensatz zu einfachen Sample-Playern nutzt die SGX-2 Engine massive Datenmengen und spezielle Algorithmen, um das Verhalten eines echten Flügels ohne Kompromisse nachzubilden.
- Loop-freie Stereo-Samples: Bei günstigeren Digitalpianos werden auslaufende Töne oft „geloopt“ (wiederholt), um Speicherplatz zu sparen. Der SGX-2 verwendet für jede der 88 Tasten Samples, die komplett natürlich ausklingen – das kann bei einer einzigen Note über 30 Sekunden dauern.
- 12 Velocity-Layer: Die Engine erkennt extrem fein, wie hart eine Taste angeschlagen wird. Sie wechselt dabei zwischen bis zu 12 verschiedenen Aufnahme-Stufen pro Taste, wodurch sich nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Klangfarbe (Timbre) absolut fließend verändert.
2. Die enthaltenen Piano-Modelle
Die SGX-2 Engine bündelt einige der berühmtesten Konzertflügel der Welt in einem System:
- German Grand: Der klassische, majestätische Konzertklang (oft mit Steinway assoziiert).
- Japanese Grand: Ein heller, präziser Klang, der sich besonders gut im Mix von Pop- und Rock-Produktionen durchsetzt (typisch Yamaha-Stil).
- Berlin Grand: Bekannt für seinen resonanten, fast singenden Toncharakter (in Kooperation mit C. Bechstein entwickelt).
- Italian Grand: Ein sehr dynamischer, expressiver Flügel (oft mit Fazioli verglichen).
3. Akustische Details (Modeling-Features)
Zusätzlich zu den reinen Aufnahmen simuliert die Engine physikalische Phänomene, die beim Spielen eines echten Klaviers entstehen:
- String Resonance: Wenn man das Haltepedal drückt, schwingen auch die Saiten mit, die man nicht direkt angeschlagen hat. Die SGX-2 bildet diese komplexen Obertöne mathematisch nach.
- Una Corda: Simulation des Soft-Pedals. Hierbei werden oft komplett eigene Sample-Sätze verwendet, um die Verschiebung der Hammermechanik klanglich korrekt darzustellen.
- Mechanical Noises: Man kann Details wie das Geräusch der Dämpfer, die auf die Saiten fallen, oder das Klacken der Tastenmechanik stufenlos einregeln.
4. Einsatzbereiche
Der SGX-2 kommt überall dort zum Einsatz, wo höchste Ansprüche an den Klavierklang gestellt werden:
- Live-Workstations: In den Modellen Kronos, Nautilus und dem Stage-Piano Grandstage X.
- Studio: Als Teil der KORG Collection 6 (Software-Plugin), um High-End-Klaviersounds direkt in der DAW zu nutzen, ohne dass man eine 50 kg schwere Workstation tragen muss.
Zusammenfassend: Wenn der PS-3300 das „analoge Monster“ für experimentelle Sounds ist, dann ist die SGX-2 Engine das „digitale Präzisionswerkzeug“ für professionelle Pianisten.
Firma: Korg

