
Kore 2 ist ein Meilenstein in der Geschichte von Native Instruments, allerdings in einer völlig anderen Kategorie als die bisher genannten Synthesizer. Es war kein eigenständiger Klangerzeuger, sondern das ultimative Host-System und Workstation-Interface, das darauf ausgelegt war, das gesamte NI-Universum (und VST-Plugins von Drittanbietern) unter einer einzigen, haptischen Oberfläche zu vereinen.
Obwohl die Software mittlerweile eingestellt wurde ("Legacy Status"), gilt das Konzept von Kore 2 als der direkte Vorläufer von Komplete Kontrol und der Maschine-Software.
1. Das Konzept: Die "Super-Workstation"
Die Idee hinter Kore 2 war es, die Grenze zwischen Software und Hardware aufzuheben. Es bestand aus einer hochgradig spezialisierten Software und einem dedizierten Hardware-Controller.
- Unified Sound Library: Kore 2 katalogisierte alle deine Sounds (aus Absynth, FM8, Massive, Kontakt etc.) in einer einzigen Datenbank. Du musstest nicht wissen, in welchem Plugin ein Sound lag – du suchtest einfach nach „Dark Pad“ und Kore zeigte dir alle passenden Ergebnisse.
- Sound-Kombinationen: Man konnte komplexe Layer und Splits aus verschiedenen Synthesizern und Effekten bauen und diese als ein einziges „Kore-Sound“-Preset speichern.
2. Der Hardware-Controller
Der Kore-Controller war für viele das Herzstück des Studios. Er bot:
- Haptische Kontrolle: Hochauflösende, berührungsempfindliche Regler, die sich automatisch den wichtigsten Parametern des geladenen Sounds zuwiesen.
- Display-Feedback: Man konnte den Laptop zuklappen und Sounds direkt am Controller auswählen und editieren.
- Audio-Interface: Die erste Version von Kore integrierte sogar ein hochwertiges Audio-Interface.
3. Highlights & Innovationen
- KoreSound-Format: Ein universelles Dateiformat, das Presets, Routing und Metadaten speicherte.
- Morphing-Matrix: Eines der beliebtesten Features. Man konnte 8 verschiedene Variationen eines Sounds (Snapshots) erstellen und mit einem XY-Pad nahtlos zwischen ihnen umherfahren. Dies erlaubte dramatische klangliche Transformationen in Echtzeit.
- Sound Packs: NI veröffentlichte spezielle „Kore Player“-Libraries, die bereits fertige, komplexe Sound-Designs enthielten, die die Power aller NI-Engines kombinierten.
4. Das Ende und das Erbe
Native Instruments stellte die Entwicklung von Kore 2 im Jahr 2011 ein, was damals für viel Aufruhr in der User-Community sorgte. Die Gründe waren strategisch:
- Komplete Kontrol: Übernahm die Idee des universellen Browsings und der Hardware-Integration.
- Maschine: Übernahm den Fokus auf schnelles, haptisches Sequencing und Performance.
- Vorteil heute: Viele der innovativen Morphing-Konzepte aus Kore finden sich heute in Instrumenten wie Skanner XT oder Form wieder.
Kurzer Vergleich: Kore 2 vs. Komplete Kontrol
| Merkmal | Kore 2 | Komplete Kontrol |
| Fokus | Tiefes Sound-Layering & Morphing. | Intuitives Browsing & Performance. |
| Hardware | Universeller Controller mit Display. | Spezialisierte Keyboards / S-Serie. |
| Plugin-Hosting | Sehr komplexes internes Routing. | Fokus auf NKS-Standard-Integration. |
Fazit: Kore 2 war seiner Zeit weit voraus. Es war das erste System, das versuchte, die Komplexität einer riesigen Software-Sammlung in ein Instrument zu verwandeln, das sich wie echte Hardware anfühlt. Auch wenn es heute offiziell nicht mehr unterstützt wird, lebt sein Geist in fast jedem modernen Software-Hardware-Hybrid-System weiter.
Firma: Native-Instruments

