
Der Vertigo VSM-3 ist die digitale Nachbildung der legendären „Saturator“-Hardware von Vertigo Sound. Während der VSC-2 (den wir gerade besprochen haben) die Dynamik kontrolliert, widmet sich der VSM-3 ausschließlich der harmonischen Verzerrung und Sättigung.
In der Mastering-Welt gilt er als eine Art „Geheimwaffe“, um digitalen Mixen das teure, lebendige Gefühl von analogem Equipment zu verleihen.
1. Das Konzept: Zwei Welten der Sättigung
Das Besondere am VSM-3 ist, dass er zwei verschiedene Arten von Obertönen getrennt voneinander erzeugen und mischen kann:
- 2nd Harmonic (Fet-Sättigung): Diese erzeugt geradzahlige Obertöne. Klanglich entspricht das der klassischen Röhre. Es macht den Sound warm, voll, seidig und „musikalisch“.
- 3rd Harmonic (Zener-Sättigung): Diese erzeugt ungeradzahlige Obertöne, ähnlich wie bei einer Bandsättigung oder übersteuerten Transistoren. Das sorgt für mehr Griffigkeit, Definition, Präsenz und den nötigen „Biss“.
2. Die M/S-Bearbeitung (Das wahre Highlight)
Der VSM-3 ist kein einfacher Verzerrer, der auf das ganze Signal klatscht. Er arbeitet intern mit M/S-Technologie (Mid/Side):
- Du kannst entscheiden, ob du die Sättigung nur auf die Mitte (z. B. Kick, Snare, Vocals) oder nur auf die Seiten (Gitarren, Becken, Hall-Fahnen) anwenden willst.
- Tipp: Sättigung auf den Seiten macht den Mix oft gefühlt breiter, ohne das Fundament in der Mitte zu vermatschen.
3. Frequenzselektive Verzerrung
Anstatt das gesamte Frequenzband zu bearbeiten, kannst du für beide Sättigungs-Stufen (2nd & 3rd) Filter setzen:
- Du kannst zum Beispiel nur die tiefen Mitten sättigen, um dem Bass mehr Körper zu geben.
- Oder du sättigst nur die hohen Frequenzen mit 3rd Harmonics, um dem Mix diesen berühmten „Air“-Glanz zu verleihen, den man sonst nur von High-End-Konsolen kennt.
4. Der "THD Mix"
Am Ende des Plug-ins gibt es einen Regler für den gesamten Klirrfaktor (Total Harmonic Distortion). Hier kannst du die parallel erzeugten Obertöne stufenlos zum Originalsignal zumischen. So bleibt die Dynamik deines Mixes erhalten, während du nur den Klangcharakter veränderst.
Typische Einsatzgebiete
- Mastering: Um einem sterilen „In-the-Box“-Mix Tiefe und Analog-Charakter zu verleihen.
- Drums: Um eine Kick-Drum durchsetzungsfähiger zu machen oder Overheads mehr Glanz zu geben.
- Bass: Perfekt, um einen Bass auf kleinen Lautsprechern (wie Handy-Speakern) hörbar zu machen, indem man die Obertöne betont.
Vergleich: VSM-3 vs. VSC-2
- VSC-2 (VCA Compressor): Sorgt für den Zusammenhalt (Glue) und kontrolliert die Pegelspitzen.
- VSM-3 (Saturator): Sorgt für die Klangfarbe (Tone) und macht den Sound "teurer" und lebendiger.
Fazit: Der VSM-3 ist ein chirurgisches Werkzeug für die Klangästhetik. Er ist nicht dafür gedacht, Sounds komplett zu zerstören (obwohl er das könnte), sondern um ihnen die harmonische Komplexität zurückzugeben, die in der rein digitalen Welt oft fehlt.
Firma: Vertigo


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